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Pressemitteilung der KAB Olpe/Siegen zum Tod von Norbert Blüm

07.05.2020

KAB Olpe-Siegen: Trauer um Norbert Blüm

Vor zwei Jahren Schirmherr der Franz-Hitze-Theater-Revue

Olpe / Siegen. Die KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung) Olpe-Siegen trauert um den am 23. April 2020 in Bonn verstorbenen Norbert Blüm. Noch in lebendiger Erinnerung ist sein letzter Besuch bei der KAB in Olpe am 16. März 2018, dem 167. Geburtstag von Franz Hitze. Hier war Blüm Schirmherr der Theater-Revue, die in der Stadthalle in Olpe bei vollem Haus aufgeführt wurde und lebendig an Leben und Wirken von Franz Hitze erinnerte.

„Wie Hitze war Norbert Blüm ein Streiter für soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde!“ so Erwin Vitt, der ehemalige Sprecher des sozialpolitischen und kirchlichen Arbeitskreises der KAB „Kreuztaler Kreis“ und ehem. Mitglied im Bundesvorstand der IGM in Frankfurt.

„Blüm stand zu seiner Kirche und lebte seinen Glauben. Ohne seine eigene Geschichte in Kirche und Arbeitswelt ist sein Wirken in der Politik nicht zu verstehen. So wurde er geprägt durch seine Zeit als Messdiener und St. Georgs-Pfadfinder, er war Werkzeugmacher und IGM-Mitglied, arbeitete mit in der CDA und der CDU und der KAB. Hier und in der eigenen Familie fand er die Werte, die er lebte und engagiert und kämpferisch in die Gesellschaft und Politik einbrachte“, so KAB-Bezirkspräses Reinhard Lenz, der ihn gerne und herzlich in Olpe willkommen hieß.

„Franz Hitze war zu seiner Zeit der erste Professor für katholische Soziallehre. Norbert Blüm war in dieser zutiefst beheimatet und wirkte von hier aus in die Welt hinein. Er hat sein politisches Mandat genutzt, um den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, besonders den Schwächsten, eine Stimme zu geben. Seine Politik stand ganz im Zeichen der Menschenliebe und der katholischen Soziallehre“, so Hildegard Schlüter, die KAB-Bezirksvorsitzende.

Ulrich Remmel, Mitglied im Bezirksvorstand und in der KAB St. Michael in Siegen, erinnert an die klare Botschaft von Norbert Blüm: „Die Wirtschaft muss dem Menschen dienen! - Das war seine unverrückbare Überzeugung, die er immer wieder aufs Neue in konkrete Politik gegossen hat. Dieses Leitmotiv prägt christlich-soziales Handeln. Blüm war ein Bollwerk, wenn es darum ging, den Kern des Sozialstaates und die Tarifautonomie zu verteidigen. Blüm machte die umlagefinanzierte Gesetzliche Rentenversicherung zukunftssicher. Mitte der Neunziger schuf Blüm die Gesetzliche Pflegeversicherung – um die Leute zu verpflichten, Vorsorge für die Zeit zu treffen, in der sie sich nicht mehr um sich selbst kümmern können.“

Die KAB erinnert auch an andere Verdienste des jüngst Verstorbenen: Mit dem Entsendegesetz verhinderte er Dumping-Löhne. Menschenrechte und Menschenwürde waren stets seine Anliegen. Im Sommer 1987 besuchte Blüm den chilenischen Diktator Pinochet und setzte sich erfolgreich für die Freilassung von 14 politischen Gefangenen ein, die bereits zum Tode verurteilt waren. Jahre später reiste Blüm mit seiner Frau nach Chile. In der Markthalle von Santiago de Chile kam ein Mann auf ihn zu und fragte: "Sind Sie Norbert Blüm?" Blüm sagte Ja, worauf der Mann ihm um den Hals fiel und Weinkrämpfe bekam. Der Mann war einer von den 14, die Blüm einst vor Pinochet gerettet hatte.

„Der Mensch steht im Mittelpunkt“ – Menschenwürde und Menschlichkeit leiteten sein politisches Handeln. So bekämpfte Norbert Blüm ausbeuterische Kinderarbeit, engagierte sich für geflohene Menschen u. v. a.

„Unser KAB-Gebet beginnt mit den Worten ‚Herr Jesus Christus, wir opfern dir unseren Tag, unsere Arbeit, unsere Kämpfe, unsere Freuden und Leiden.‘ Das hat Norbert Blüm beherzigt, verinnerlicht und gelebt!“ Davon ist Hubert Kahmann, der Geschäftsführer des KCW (Ketteler-Cardijn-Werk), des Sozialwerks der KAB Olpe-Siegen, und Mitglied im Bezirksvorstand, zutiefst überzeugt.

Die KAB im Bezirk Olpe-Siegen wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren:

R. I. P.

 

 

Foto: Beim Empfang in Olpe überreicht Wilhelm ten Haaf, der Autor und Regisseur der Theater-Revue über Leben und Wirken von Franz Hitze unter dem Titel „Beginnen wir einmal praktisch“, dem Schirmherrn und Ehrengast Dr. Norbert Blüm das Dreh- und Textbuch und eine weiteres Werk aus seiner Feder: „Am Sonntag habe ich Zeit für dich!“ In der Mitte Pfr. Reinhard Lenz, damals Freudenberg, KAB-Bezirkspräses, der von der Menschlichkeit, der Menschenfreundlichkeit sowie dem Engagement und der Kompetenz des Gastes begeistert und ein aufmerksamer Zuhörer war.